Neujahrskonzert

2010-01-01

Wiener Zeitung
Walzerseligkeit in Valentino
Von Verena Franke

Aufzählung Tüll, Tüll, Tüll, wohin das Auge blickt. Dazu Röschen, Rüschen und Mäschchen in süßem Rosa und Hellgrau. In Walzerseligkeit schwelgend, präsentierte sich das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper erstmals in opulenter Robe des Stardesigners Valentino in ihren Live-Balletteinlagen des Neujahrskonzerts.

Elegant – wie Valentinos Kostüme – tänzeln bei der Polka Mazur "Ein Herz, ein Sinn" von Johann Strauß Sohn zwei Solisten der Pariser Oper durch die Gänge des Kunsthistorischen Museums (KHM). Die Sizilianerin Eleonora Abbagnato und der Pariser Nicolas Le Riche zeigen Leichtigkeit im typischen Valentino-Rot und Frack. Eine elegante Unbeschwertheit, die ein unverwechselbares Markenzeichen für Renato Zanellas Choreographien ist: Weiche, zarte Armführungen und seine typischen Beinschwünge hinterlassen beim Zuseher ein Gefühl von Lebensfreude und Wiener Charme. Und diesen beherrscht Zanella nach zehn Jahren als Ballettchef der Staatsoper in Perfektion.

So weiß er auch die acht Solistenpaare des Staatsoper-Balletts im Walzer "Morgenblätter", ebenfalls von Johann Strauß Sohn, ins rechte TV-Bild zu rücken: Mit vorsichtig eingesetzten neoklassischen Bewegungen, die nicht immer musikalisch erscheinen, schwingen sie harmonisch durch die prunkvollen Räumlichkeiten des KHM. Ein Augenschmaus, der hart an der Grenze zum niveauvollen Kitsch balanciert. Doch ist es nicht genau das, was man sich weltweit vom Ballett des Neujahrskonzerts erwartet?

Printausgabe vom Samstag, 02. Jänner 2010
Online seit: Freitag, 01. Jänner 2010 18:21:00


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