"Cosi fan tutte"

2009,30.07

NEUES VOLKSBLATT
01 August 2009
www.volksblatt.at

Renato Zanella lässt die Puppen tanzen

„Attersee Klassik“: Das Attersee Orchesterinstitut feierte seinen 15. Geburtstag mit einer Aufführung der Mozart-Oper „Così fan tutte“
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Von Ursula Kammesberger

Mozarts „Così fan tutte“ (,So machen's alle') hatte am Donnerstag nicht nur bei den Salzburger Festspielen Premiere (eine Kritik lesen Sie Anfang nächster Woche), sondern auch beim Festival „Attersee Klassik“ im Salzkammergut. Der großzügige Park des Berghofs in Unterach bot den schönen Rahmen für eine duftige Sommernachts-Aufführung und den feinen Gästen, darunter Bundespräsident Heinz Fischer mit Gattin, ein stilvolles Ambiente.

Für eine Opernaufführung im Freien gelten besondere Gesetze — optisch, akustisch und was die Erwartungshaltung des Publikums betrifft. Renato Zanella ließ sich mit seinem Regiekonzept erst gar nicht groß auf neudeuterische, tiefenpsychologische Experimente ein. Er setzt auf bewährte Formen und lässt das verwirrende Spiel um Treue und Untreue als eine Art Marionettentheater ablaufen, in dem der intrigante Don Alfonso (von Alberto Rinaldi als mafios-charmanter Macho angelegt, der nicht ganz unzufällig Assoziationen zu Italiens Berlusconi

weckt) alle Fäden in der Hand hält. Natürlich wird von Zanella neben dem stimmlichen und mimischen Ausdruck auch die Körpersprache betont, was sich in den marionettengleichen Bewegungen der beiden getäuschten Liebhaber zeigt.

Diese „Così fan tutte“ ist vor allem ein Fest der jungen Sänger, allen voran Martin Mitterrutzner (Ferrando), der sich als vielversprechender Mozart-Tenor empfiehlt. Als Guglielmo wartet der Finne Arttu Kataja mit schönem, warmen Bariton auf. Auch die drei Damen: Katerina

Tretyakova (Fiordiligi), Lysianne Tremblay (Dorabella) und Petya Ivanova (Despina) vermögen stimmlich wie darstellerisch zu überzeugen.

Besonderen Charme erhält die Inszenierung durch die hübschen Kostüme und das Bühnenbild von Monika von Zallinger-Rohan, der es mit wenig Aufwand gelingt, Italiens sonnige Heiterkeit auf die kleine Bühne zu zaubern.

Dirigent Sascha Goetzel wusste aus den jungen Musikern des Attersee Institute Orchestra Erstaunliches herauszuholen, dirigierte mit Umsicht und ließ sich auch von den dräuenden dunklen Wolken nicht zu Hektik verleiten. Der Regen, der schon im ersten Akt eine Unterbrechung erzwang, machte, kurz bevor die standhafte Fiordiligi den Werbungen Ferrandos nachgibt, dem schönen Spiel ein vorzeitiges Ende. Schade für die Akteure, die damit um den wohlverdienten Schlussapplaus gebracht wurden.


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