"Wallfrau"

2008-10-11

WIENER ZEITUNG 11.10.2008


Bildnis einer Künstlerin
Von Brigitte Suchan


Sie war eine schillernde Persönlichkeit: Tänzerin, Choreografin und eine der ersten Opernregisseurinnen. Margarete Wallmann ist Opernfreunden als Regisseurin der seit langem im Repertoire der Staatsoper stehenden "Tosca"-Inszenierung ein Begriff.

1901 in Berlin geboren, gehörte die Wallmann aber auch jener Tänzergeneration an, die versuchten in Österreich und Deutschland einen neuen, modernen Tanzstil zu kreieren und zu etablieren. Der moderne Tanz und seine Proponenten fielen Adolf Hitlers Einmarsch zum Opfer. Die weitere Entwicklung des modernen Ausdruckstanzes fand dann in Übersee statt.
Im Rahmen des Festivals "Berührungen. Tanz vor 1938 – Tanz von heute", das bis zum 31. Oktober im Odeon stattfindet, zeigt Ex-Ballettchef Renato Zanella sein Ballett "Wallfrau", in dem er sich von Leben und Werk der Wallmann inspirieren ließ. Jolantha Seyfried als ausdrucksstarke Protagonistin durchwandert die Lebensstationen von Margarete Wallmann zu einer Musikcollage von Gluck bis Arvo Pärt: Der Unfall, der sie für ein Jahr an den Rollstuhl fesselte, der Einmarsch der Hitlertruppen, das Exil in Buenos Aires, wo sie Chefin einer internationalen Tanztruppe wurde, ihre Tätigkeit als renommierte Regisseurin, der Lebensabend in Monte Carlo, wo sie 1992 starb.

Vieles bleibt bruchstückhaft in Zanellas bewegten Assoziationen, für manches findet er beeindruckende, nachhaltige Bilder. Vor allem aber gelingt es ihm u.a. auch mit Hilfe von Textpassagen aus Wallmanns Biographie und eines Interviewausschnitts das Porträt einer überaus vielseitigen Künstlerin zu zeichnen.






KURIER 11.10.2008
Autor: Silvia Kargl

Abschied und Erinnerung

Tanzfest „Berührungen“: Uraufführung von Renato Zanellos „Wallfrau“ im Wiener Odeon

Mit einem starken Stück kommt Renato Zanella, von 1995 bis 2005 Ballettdirektor der Staatsoper, wieder nach Wien. „Wallfrau“ ist eine Hommage an die Tänzerin, Choreografin und Regisseurin Margarete Wallmann, die bis zur Kündigung durch die Nazis fünf Jahre an der Wiener Staatsoper wirkte. 1948 kehrte die von Max Reinhardt als „Wallfrau“ bezeichnete Künstlerin nach Europa zurück. Ihre Inszenierung von „Tosca“ befindet sich seit 50 Jahren im Repertoire der Staatsoper.
Für Jolantha Seyfried, die Leiterin des Staatsopern-Ballettschule, und zehn Darsteller des Serapions Ensembles kreierte Zanella eine ausgezeichnet getanzte Choreografie, in der eine spannungs- und gefühlsgeladene Atmosphäre um die Abschiedssituation mit Verzweiflungsszenen zu einem Neubeginn führt.




< Zurück

English
Italiano
';