Biographie - RENATO ZANELLA



Renato Zanella wurde am 6. Juni 1961 in Verona geboren. Väterlicherseits stammt er aus einer italienischen Industriellenfamilie, mütterlicherseits aus einer künstlerisch belasteten deutschsprachigen Familie in Südtirol – der Bozener Großvater war Geigenbauer. Schon als Teenager 1,83 Meter groß (heute ist er 1,86), galt Zanellas erste Leidenschaft dem Sport, vor allem dem Basketball. Zum Ballett kam er mit 17 durch Zufall, wandte aber von da an seine ganze Energie und Leidenschaft auf den Tanz.

Anfänge, Basel
Zanella erhielt seine erste Ausbildung in Verona, dann ging er nach Cannes an das renommierte Centre de Danse International von Rosella Hightower, wo er seine Ballettausbildung beendete und auf Anhieb 1982 sein erstes Engagement bei Heinz Spoerli in Basel erhielt. Hier legte er - mit 1,86 Meter für einen Tänzer ungewöhnlich groß - anhand von Werken von Balanchine, Van Manen, Robert North, Ulysses Dove und Spoerli selbst jenen Grundstein an Praxis und Erfahrung, mit dem er 1985 zum weltberühmten Stuttgarter Ballett kam.

Stuttgart
In Stuttgart gab Ballettdirektorin Marcia Haydée Zanella nicht nur die Möglichkeit, unter den großen Choreographen dieser Zeit zu arbeiten bzw. deren klassische Werke zu tanzen (John Cranko, Maurice Béjárt, Jiri Kylián, Mats Ek, John Neumeier, William Forsythe, Azary Plisetsky, Glen Tetley und Kenneth MacMillan), sondern auch seine eigenen diesbezüglichen Ambitionen zu verwirklichen: 1989 brachte der 28jährige Zanella mit „Die andere Seite“ zur Musik von Joachim Kühns „Dark“ seine erste eigene Arbeit heraus, ein siebenminütiges Stück für zwei Tänzer. 1991 choreographierte er für die Haydée und Richard Cragun das Duo „Stati d’animo“ zur Musik von Strawinskis „Duo concertant“, und bereits 1992 kreierte er sein erstes abendfüllendes Werk („Mann im Schatten“ zur Musik von Richard Farber). In diesem Jahr schuf er auch „Voyage“ für Vladimir Malakhov. 1993 gestaltete er für Marcia Haydée eine abendfüllende „Mata Hari“ zur Musik von Schostakowitsch. In diesem Jahr ernannte sie ihn zum Ständigen Choreographen des Stuttgarter Balletts, worauf sich Zanella langsam von seiner Tänzer-Profession zurückzog und sich vor allem der schöpferischen Arbeit der Choreographie widmete. In diese Stuttgarter Jahre fallen auch seine ersten Arbeiten für Opern-Choreographien, die in der Folge für ihn wichtig bleiben sollten.

Wien
Über Vladimir Malakhov, den Zanella „zur Moderne verführt“ hat, kam es zu ersten Kontakten mit der Wiener Staatsoper. 1995 wurde er mit erst 34 Jahren zum Ballettdirektor der Wiener Staatsoper ernannt. In seinen zehn Jahren an der Wiener Staatsoper hat Zanella an die 40 eigene Choreographien gezeigt, sowohl kurze Piècen wie auch abendfüllende Stücke, wobei sein Mozart-Ballett „Wolfgang Amadée“ (1998) besonderen Erfolg erntete. Ein „Aschenbrödel“ nach der Musik von Johann Strauß (1999) war eine Verbeugung vor dem Genius Loci. Zanella kreierte vorwiegend Eigenschöpfungen zu klassischer, bevorzugt auch moderner Musik, wandte sich aber zunehmend den großen Herausforderungen der Ballettliteratur zu, etwa Strawinskis „Sacre“ (1996), Ravels „Bolero“ (1998), Tschaikowskis „Nussknacker“ (2000), Chatchaturjans „Spartacus“ (2002). Seine letzte Arbeit für die Wiener Staatsoper war 2005 Strawinskis „Renard“.

In diesen zehn Jahren hat Zanella aus der Wiener Ballettcompagnie ein selbstbewusstes Ensemble gemacht, das die großen Rollen aus einen eigenen Reihen besetzen konnte und Herausforderungen der größten Choreographen annahm: Arbeiten von Kylian bis van Manen, von Forsythe bis Neumeier standen bei dem Ballettdirektor Zanella ebenso auf dem Programm wie Werke von Balanchine, MacMillan oder Ashton, die Klassiker wie Petipa und viele Nurejew-Arbeiten inbegriffen. Dennoch wussten Ballettfreunde besonders zu schätzen, dass der Fokus von Zanellas Arbeit stets bei der Moderne lag.

Zanella gab jungen Choreographen aus dem eigenen Ensemble Chancen (Gaudernak, Adler, Bombardo u.v.a.), so wie er auch der Förderung des Nachwuchses, wie er in Wien in einer Staatsopern-eigenen Ballettschule herangebildet wird, besondere Aufmerksamkeit widmete. Besondere Beachtung fand seine Initiative „off ballet special“, in der er behinderte und nichtbehinderte Mitglieder des Kulturvereins „ich bin o.k.“ mit Mitgliedern des Wiener Staatsopernballetts in bewegenden Tanzstücken gemeinsam auf die Bühne brachte.

In seinen Jahren als Ballettdirektor der Wiener Staatsoper hat Renato Zanella auch vielfach die Einlagen für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das an jedem 1. Jänner via Fernsehen ein Millionenpublikum in aller Welt erreicht, gestaltet (zuletzt wieder 2010). Wichtig wurden auch seine Opernchoreographien, wobei der nach „Rienzi“ (1997) und „Guillaume Tell“ (1998) eine besondere Arbeitsbeziehung mit Regisseur David Pountney aufbaute, die ihn in Zusammenarbeit mit diesem auch zu den Bregenzer Festspielen, an das Royal Opera House Covent Garden in London, an das Teatro San Carlos in Lisabon, das Marinski-Theater in St. Petersburg, an das Züricher Opernhaus u.a. führten. Zanella hat auch die Choreographie für Operninszenierungen von Hans Neuenfels, Götz Friedrich (an der Deutschen Oper Berlin), Jürgen Flimm, Günter Krämer, Nicola Joel u.a. geschaffen.

Während seiner Wiener Jahre war Zanella auch ein gesuchtes Jury-Mitglied bei internationalen Tanzwettbewerben. Ihn selbst hat die Zeitschrift „Danza & Danza“ 1995 zum „Besten italienischen Choreografen im Ausland“ ernannt. 2000 erhielt er in Rom den „Premio Internazionale Gino Tani“, 2001 in St. Pölten den „Jakob Prandtauer-Preis“. 2001 würdigte „Danza & Danza“ seine Tätigkeit an der Wiener Staatsoper mit dem Preis „Bester Künstlerischen Leiter“. Die Republik Österreich verlieh ihm das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2001). Für die abendfüllende Choreografie von Peer Gynt für das Balletto dell´Opera di Roma erhielt er den Preis für die beste neue Produktion Italiens 2007. Im Februar 2012 erhielt er den Berufstitel Professor vom Bundesministerium für Unterricht,Kunst und Kultur in Wien verliehen.


Internationale Jahre
Nach seinem Abschied von der Wiener Staatsoper, der Zanella in den zehn Jahren seiner Tätigkeit den Großteil seiner Arbeitskraft gewidmet hatte, begann er seine weit gefächerte internationale Tätigkeit. Seine Werke werden von Ballett-Kompagien in Europa und Amerika ebenso getanzt wie in Asien. Für sein abendfüllendes Ballett „Peer Gynt“ zur Musik von Edward Grieg, das er für das Balletto dell´Opera di Roma schuf, erhielt er den Preis für die beste neue Produktion Italiens 2007. Großen Erfolg hatte seine Choreographie für John Adams’ Oper „The Flowering Tree“ 2008 in Chicago in der Inszenierung von Nicola Raab.

2009 erweiterte Zanella seine künstlerische Tätigkeit um jene der Opernregie: Seine erste diesbezügliche Arbeit, „Così fan tutte“ beim „Attersee Klassik“-Festival, fand große Zustimmung bei Publikum und Presse. 2010 inszenierte Zanella Bizets „Carmen“ beim Sechsten “ Festival of the Aegean“ auf der Insel Syros, wo er als künstlerischer Verantwortlicher für die Sparte Tanz tätig war. Beim Festival of the Aegean 2011 inszenierte er "La Traviata". Im Jänner 2012 hatte "Faust" in der Athens Concert Hall in einer Inszenierung von Zanella Premiere und 2013 "I Vespri siciliani" für die Greek National Opera, 2014 Die Lustige Witwe für die National Theater in Mannheim und in Februar 2015 Cavalleria Rusticana für die Fondazione Arena di Verona.

Zanella hat mit den großen Tänzern seiner Zeit gearbeitet - Marcia Haydée, Carla Fracci, Sue-Jin Kang, Anastasia Volotchkova, Simona Noja, Shoko Nakamura, Polina Semionova, Eleonora Abbagnato,Olga Esina Egon Madsen, Richard Cragun, Roberto Bolle, Alessio Carbone, Tamas Detrich, Benito Marcelino, Vladimir Malakhov, Tamas Solymosi, Manuel Legris, Nicolas Le Riche, Pascal Molat, Giuseppe Picone , um nur einige zu nennen. Künstler wie Vladimir Malakhov oder Shoko Nakamura gastieren regelmäßig mit seinen Stücken, u.a. in Japan. Dort hat er auch 2010 eine von Placido Domingo dirigierte „Aida“ choreographiert. Eine Uraufführung für das San Francisco Ballett schuf Zanella im April 2010: Das Werk „Underskin“ zur Musik von Arnold Schönberg.


Athen
Von September 2011 bis August 2015 war Renato Zanella Direktor des griechischen Nationalballetts in Athen.In seiner Funktion als Ballettdirektor des Griechischen Nationalballetts choreographierte er u.a. 2013 die Produktion "Journey to eternity" zu einer Musik von Eleni Karaindrou angelehnt an die Filme von Theodoros Angelopoulos und ebenfalls 2012 das abendfüllende Ballett "Romeo and Juliet" zu Musik von Prokofiev mit Kostümen von Celia Kritharioti, 2013 der Nussknacker (Ausstattung Cristof Cremer) und 2015 Cinderella (Ausstattung Christian Lacroix).

Verona
Von September 2013 bis December 2015 hat geleitet gegenwärtig das Ballettensemble der Fondazione Arena di Verona in seiner Geburtsstadt Verona.
Zeit September 2016 er ist künstlerischer Ballett Leiter an der Bukarest National Opera.

Renato Zanella definiert sich selbst und seine Arbeit als geboren aus „Neugier und der Sucht, dauernd neue Erfahrungen zu sammeln, neue Persönlichkeiten und Talente kennen zu lernen, stets neue Inspirationen zu empfangen.“

Foto: Yiannis Velissaridis

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